Wilhelm Salber

Psychologische Morphologie



Gestalt auf Reisen Gestalt auf Reisen

Wirkungs-Gestalten definieren sich durch ihre Entwicklungen oder Metamorphosen: durch das, was sie anstellen - und durch das, was sich mit ihnen anstellen lässt. Sie sind Werke, bei denen eine Sache vorangeht, indem Verschiedenes dabei ins Spiel kommt.
Ein Kuchen lässt sich nur backen, indem ein Rezept in Umsatz mit verschiedenartigem Material kommt, indem durch Zerhacken, Warmmachen, Verrühren Verschiedenes auf eine Gestalt gebracht wird, indem man sich ein bisschen auf das verlässt, was man nicht in der Hand hat. Dabei kann man seine Tagträume mitverbacken, und das kann man wiederholen, variieren, steigern, abmindern. Erst in diesem ganzen Wirkungs-Zusammenhang definiert sich die besondere WirkungsGestalt des Kuchen-Backens.
Das ist ein Beispiel für die WirkungsGestalt in sich zusammenhängender Werke. Die Psycho-Morphologie erforscht, was solche seelischen Werke mit sich bringen, was sie wollen und was sie leiden müssen, welche Konsequenzen, welche Chancen und Begrenzungen, welche Verkehrungen ihre Entwicklung mit sich bringen kann. So etwas ist nicht mit Ein-Schuss-Verfahren zu untersuchen. Der Reichtum seelischer WirkungsGestalten läßt sich nur durch eine Methode erfassen, die in mehreren Drehungen in die "Tiefe" dringt (Versions-Methode) und zwar ohne dabei die Gestalt im ganzen aus dem Blick zu verlieren.

Psychologische Märchenanalyse

Psychologische Märchenanalyse

Die Metamorphosen der Märchen beschäftigen sich mit den verschiedenen Sorten von Verwandlungen, die Wirkungseinheiten organisieren können. Als "typische" Verwandlungssorten treten dabei in den Blick: Bestimmen, Tauschen und Täuschen, Aufs-Ganze-Gehen, Teilen und Zerstören, Revoltieren das wird jedoch im weiteren noch genauer dargestellt.
Denn die Märchen arbeiten die typischen Verwandlungssorten in einer Reihe paradoxer Wendungen heraus.
Dazu gehört einmal, dass mit dem Bestimmen, Austauschen, Ganz-Machen, Teilen keine einfache und eindeutige Richtung vorgegeben ist. Wenn eine (typische) Verwandlungssorte unser Tun und Leiden bewegt, ist es zunächst einmal egal, ob wir sie aktiv betreiben, erleiden, bei anderen erfahren; ob wir sie nur von ihrem Gegenteil oder von Widerständen her mitbewegen. Es geht immer um den Wirkungskreis von seltsamen und schrägen Gegensatzeinheiten. Das entspricht der Wirkung uns anziehender oder (zugleich) abstoßender Bilder der Wirklichkeit, die im Kontext der Alltags- und Lebensprozesse für uns in vielgestaltiger und widersprüchlicher Weise bedeutsam werden kann. Das Wegfliegen oder Niederfallen der Feder kann Symbol für verschiedene Wirkungszusammenhänge werden; das Bild des immer schärfer werdenden Blicks oder der künstlichen (Augen-)Gläser kann sich in erschreckenden, bedrohlichen, dämonischen oder auch in hilfreichen, erkenntnisvollen, Einsicht und Zusammenhang fördernden Entwicklungen ausgestalten.
An den Ausgestaltungsprozessen greift das Märchen ein weiteres Paradox auf: Verwandlungen können ihre Eigenart nur dadurch gewinnen, dass sie ihre "Offenheit" in Gestalten binden, die dadurch ein (typisches) Getriebe mit entsprechenden Wirkungs-Verhältnissen, Chancen und Begrenzungen festlegen. Das spielt bei allen Märchenanalysen eine große Rolle; es charakterisiert genauer, was es mit den Verwandlungs-Sorten von Fall zu Fall auf sich hat.


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